Paläontologie - Problematika

Eigene unbestimmte Funde werden hier vorgestellt - in der Hoffnung auf Fachleute, die mehr wissen oder tippen - sowie gern auch Funde von Lesern. Schicken Sie mir eine Nachricht über das Kontaktformular und nennen Sie mir Ihre Email-Adresse. Dann setze ich mich miit Ihnen in Verbindung. Garantiert!

 

KARBON -

WELCHES FOSSIL?


Ein Facebook-Freund hat mir kürzlich eine Message geschickt und fragte mich, welches Karbon-Fossil das wohl sein könnte. Da ich selbst mit dem Präkambrium/Kambrium beschäftigt bin, habe ich weitergefragt. Die Seite "Karbonské fosilie" hat bisher nicht geantwortet, ein Freund außerhalb von facebook konnte zwar den Steinbruch identifizieren, jedoch auch nicht das nur 1,5 cm große Fossil. Er schrieb: "Das sieht aus wie Material von Hagen Vorhalle, dort war ein Steinbruch, der mittlerweile verfüllt wurde." Hat jemand eine Idee?

Kein Krähenstein,

kein Eiszeitstein -

es ist ein Hitzestein!

Ein Potsdamer Spurenspezialist fürs Kambrium hat einen besonderen Fund gemacht (links), den er sich nicht so recht erklären kann. Er schreibt: "Es ist ein Quarzit, und ich meine, ein svekofennischer, der im Habitus gerundet ist, keine Schichtung erkennen läßt und rundherum mit geraden, ungerichteten Kerben versehen ist. Diese Kerben erinnern an Lebensspuren, und zwar in etwa an den unterkambrischen Kragsten/Krähenstein (Diplocraterion)." Ich habe hier meinen unterkambrischen "Krähenstein" aus Endeholz/Lüneburger Heide dazugestellt (rechts). Er wäre rund 1,5 Milliarden Jahre jünger als das Potsdamer Geschiebe. Die Spuren sind allerdings nicht so kantig wie die anderen, die eher an "Keilschrift" erinnern...

Die beiden "Krähensteine" aus dem Proterozoikum (links) und dem Unterkambrium (rechts, Foto R. Troppenz)

Eine ausführliche Stellungnahme habe ich  dann per Email von einem Hamburger Professor (Gesteinskundler) erhalten:

"Das abgebildete Gestein muss nach dem Foto kein Quarzit sein. Ich könnte mir auch eine magmatische oder sedimentäre Entstehung vorstellen. Quarzit würde ja metamorph bedeuten. Auf alle Fälle ist es eine Kuriosität, wie ich sie noch nicht gesehen habe. An Lebensspuren glaube ich nicht. Ich kann mir am ehesten vorstellen, dass die Kerben in der Oberfläche die Abdrücke von Kristallen zunächst unbekannter Art sind. Die könnten dann im geschützteren Inneren wohl noch vorhanden sein. Für Kristallabdrücke spricht die regelmäßige Gestaltung mit streng geradlinigen, sehr einheitlichen Konturen Konturen. Es wäre wichtig, nur erfahrene Mineralogen an die Untersuchung der Probe heranzulassen. Ich halte es immerhin für möglich, dass es sich geschiebemäßig um eine Sensation handeln könnte: Ikait bzw. Glendonit. Ikait ist ein Mineral, das nur unter arktischen Temperaturen in Sedimenten gebildet wird. In der Regel wird es pseudomorph durch Glendonit ersetzt. Nach meiner flüchtigen Kenntnis könnte die Kristallgestalt mit Glendonit vereinbar sein. Ein Geschiebe mit Glendonit wäre ein Klimadokument aus einem frühen hier dann proterozoischem Eiszeitalter."

Man muss natürlich bedenken, dass es sich um ein (nicht einmal sehr scharfes) Foto handelt, so dass Fehleinschätzungen nicht ausgeschlossen werden können. Aber mit meiner Assoziation "Keilschrift" lag ich gar nicht so weit daneben. Derselbe Professor hat das Bild nämlich an einen Hamburger Mineralogen weitergeleitet und berichtet: "Hier nun, dank Prof. Schlüter, die ultimative Erklärung der Nicht-Glendonite. Herr Schlüter hatte gelacht, als er das von Ihnen übermittelte Foto sah. Vor nicht zu langer Zeit machte ein ähnliches Foto vom gleichen Keramik-Material unter den mineralogischen Kustoden Deutschlands die Runde. Es wurden viele Theorien entwickelt, auch die mit dem Glendonit. Einer in der Runde kannte sich aber aus: Solche Klunker werden erhitzt und mit Wasser übergossen, um das Schwitzen in der Sauna zu befördern. Die Kerben dienen dazu, darüber gelöffeltes Wasser nicht sofort ablaufen zu lassen."

Sehen diese Steine nicht doch etwas anders aus als der Potsdamer Stein? Und wie kommt der Saunastein in die Kiesgrube im  Saarmunder Endmoränenbogen südlich von Potsdam? Fragen über Fragen...

 

Merkwürdiges Problematikum aus dem Devon

Von Claus Friis erhielt ich folgende Mitteilung:

"Nach der Präparation eines 'merkwürdigen Gebildes' auf einer kleinen Moselschiefer-Platte, Oberes Unterdevon, Fundort: Abraumhalde (höchste Schieferabraumhalde Deutschlands mit 125 Metern) des ehemaligen Schieferbergwerks 'Maria Schacht', Kaulenbachtal, linksrheinisches Schiefergebirge, kam etwas mir Unbekanntes zum Vorschein. Abmessungen des Fossils: 5 x 1,5 cm."

     

Hat jemand eine Idee?

Ich selbst tippe auf einen Anneliden, gehörend zu den Machaeridien ("Panzerwurm"). Darüber mehr auf der Seite "Paläontologie - Poblematika III".

Geschiebehandstück von den Feldern um Endeholz, Naturpark Südheide, Sammlung Troppenz. Bilder wurden an Prof. Dr. Roland Vinx geschickt mit der Bitte um eine Stellungnahme.

Prof. Dr. Roland Vinx, Elmshorn, Petrograph, Buchautor, erklärt das Stück: "Fotos sind meist nur eine Notlösung gegenüber der direkten Beobachtung. Ich glaube, ein Porphyrgeröll  zu erkennen. Es wirkt 'dalarnoid'. Ähnliches Gestein ist am Hykjeberg in Norddalarna aufgeschlossen. Allerdings sind dort die Gerölle z. T. dezimetergroß. Als Lokalgeschiebe hatte ich in Norddalarna auch Gerölle gesehen, die dem Ihren sehr ähnlich sind. Ich scheue davor zurück, dem Material irgendeinen Leitgeschiebenamen zu geben. Hypothese: Die Gerölle können umgelagertes Material des ausgedehnten Dala-Rhyolithvulkanismus sein, das dann zeitnah von dem Produkt eines neuen Ausbruchs erfasst worden ist. Die Herkunft Norddalarna ist recht wahrscheinlich. Das würde ein Alter von 1,7 Ga bedeuten. Andere Herkünfte und damit auch Alter kann ich nicht völlig ausschließen."   

Karina Thiede aus Parchim sandte diese Bilder von einem außergewöhnlichen Spurenfossil - oder? Sie schreibt dazu: "Dies ist ein Geschiebefund bei Brook. Unterkambrischer Sandstein mit Spuren. Die große, runde Eingrab-Spur ist ganz interessant. Die Meinungen sind unterschiedlich, keiner hat je so etwas gesehen. Das Stück ist 30x30cm groß, die Spur 6x6cm."

Dr. Markus Bertling, Universität Münster, ist folgender Auffassung:

„Mit den wulstigen Rändern sieht mir das so überhaupt rein gar nicht nach einer Spur aus, sondern nach einer Entgasungsmarke, ggf. unter einer Mikrobenmatte steckengeblieben.“

Dr. Sören Jensen, Universität Badajoz/Spanien, sagt dazu:

“I would suggest first if this could be some form a sedimentary structure such as a flute or an obstacle scour.” („Ich würde als erstes nahelegen, dass es eine Form von Sedimentstruktur sein könnte wie eine Fließmarke oder die Unterwaschung eines Hindernisses.“)

David Schmälzle aus Berlin ergänzt:

"Es kann einfach eine Entgasungsstruktur sein. Auf Bornholm im Steinbruch Ströby treten massenhaft derartige Strukturen im Balka-Quarzit auf. Aber eine Eingrabspur ist auch denkbar. Das Stück hat einfach zu wenig eindeutige Merkmale, um es sicher zuordnen zu können."

Björn Peppmüller aus Bad Salzgitter schreibt zu seinem Fund: "Hedehusum Strand/Föhr, Eophyton-Sandstein, interessant (evtl. ein Körperabdruck eines Anneliden oder Priapuliden?). Der Maßstab ist 1 cm lang." Dazu Dr. M. Bertling, Universität Münster: "Das erste Hedehusumer Etwas erinnert mich stark an 'Vendobionta' wie Dickinsonia/Spriggina; die Erhaltung passt ja offenbar auch."

Nochmal Björn Peppmüller: "Hier noch Fotos eines Spurenfossils, das ich im Mai 2016  wiederum am Strand von Hedehusum / Föhr fand. Es handelt sich um mehrere gleichartige, senkrecht zur Sedimentoberfläche angeordnete und zueinander im geringen Abstand unorientierte, ca 1 cm ins Sediment (weißlich-hellbeiger, an der verfüllten quergeschnittenen Basis jedes Objektes aber etwas glaukonitischer mittlelkörniger Sandstein) reichende Objekte in unterschiedlichen Sedimentlagen. Jedes Objekt besteht aus +/- glatten, direkt aufeinander folgenden, sich aber nicht überschneidenden, seitlich an Durchmesser allmählich zunehmenden,  pallisaden-/oder orgelartig im Bogen angeordneten, parallelen Röhren (- evtl. seitliche Knospung ?). Am ähnlichsten, aber nicht gleich, wäre noch Syringomorpha nilssoni." Dazu Dr. M. Bertling, Universität Münster: "Das zweite Hedehusumer Etwas geht bei mir als Syringomorpha durch, vielleicht nicht nilssoni..." Die folgende Seite Paläontologie - Problematika II bringt eine ausführliche Stellungnahme des Potsdamer Geschiebekundlers und Syringiomorpha-Spezialisten Georg Engelhardt zu diesem spannenden Fund.

 

              

Björn Peppmüller richtet die Augen offenbar immer auf die richtige Stelle. Wo? Natürlich am Strand von Hedehusum/Föhr. Er schreibt: "Anbei ein weiteres interessantes Spurenfossil (wahrscheinlich aber ein seitlicher Körperabdruck)." Der Maßstab links zeigt 1 cm an.  Das rechte Bild ist seitenverkehrt als "Positiv" dargestellt und am PC koloriert.

Dr. Z. Gába aus der Tschechischen Republik hat dieses Foto zur Verfügung gestellt. Er schreibt dazu: "Das ist 'rezenter Chondrites' an der Oberfläche des Gneises aus einer Bergruine. Ich weiß nicht, was ich über die Entstehung dieser Erscheinung denken soll." Die verzweigten Spuren befinden sich auf einer ca. 10x13 cm großen Fläche.

Dieses Geschiebestück stammt aus Endeholz/Naturpark Südheide (Matrix ca. 4 cm). Die Diplocraterion-ähnliche Struktur rechts im Bild steht senkrecht zur Struktur links im Bild, die folglich auf der Fläche sein müsste. Diplocraterion- und Monocraterion-Erklärungen fielen dann für die Struktur links aus. Dr. M. Bertling von der Universität Münster schreibt dazu: "Sehr merkwürdig... Es ist aber nicht so, dass man quasi einen (vermutlich ehemals senkrechten) Stapel von 'Uhrgläsern' hat, der im 90°-Winkel angeschnitten ist?" Es handelt sich um unterkambrischen Hardeberga-Sandstein. (Sammlung U.-M. Troppenz, Fotos Regina Troppenz)

Fotos: Regina Troppenz

David Schmälzle aus Berlin ist der Finder dieses Geschiebes, das eine unterkambrische Spur zeigt. Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Monocraterion-Spur - auf den zweiten Blick erkennt man jedoch eine Abwechslung von gerader Röhre und runden Ausbuchtungen, die seitlich verzweigt zu sein scheinen. Das recht abgerollte Stück stammt aus einer Kiesgrube von Horstfelde bei Zossen/Brandenburg.

Fundort Endeholz/Naturpark Südheide, Finder Hans Türschmann, Endeholz

Foto Regina Troppenz

Bei diesem Geschiebe aus Hardeberga-Sandstein (ca. 5 cm Durchmesser) könnte es sich um Fließmarken handeln, meint der ehemalige Präparator und Spurensammler David Schmälzle, Berlin. Eine andere Erklärung gibt es bisher nicht.

Fotos: H. Grabenhorst

Heinrich Grabenhorst aus Wienhausen/Lüneburger Heide, schreibt: "Heute stand in der Celleschen Zeitung ein Bericht über Ihren Fund zweier rätselhafter Spurensteine. Ich hatte schon vor, Sie daraufhin anzumailen, um Fotos von zwei mir selbst auch rätselhaften zu senden. Die Funde machte ich im letzten Winter auf Lesesteinhaufen zwischen Hohne und Ummern .Der erste mißt 55x50x35mm, der zweite 50x40x30mm."      

Da die Gesteinsart bisher nicht genau bestimmt ist, macht Dr. Bertling, Universität Münster, für Stein 2 folgenden Vorschlag: "Kann das die Füllung eines meso/känozoischen Muschel-Bohrlochs sein? Die Spuren sehen sehr stark nach Meandropolydora aus, einer flachen Wurm-Bohrung, definitionsgemäß in Hartsubstraten. Dabei müsste die Lochfüllung zementiert worden und danach angebohrt worden sein."

Heinrich Grabenhorst ist sich nicht ganz sicher hinsichtlich der Gesteinsart: "Es handelt sich in beiden Fällen um Sandstein. Der erste Stein mit den kurvig parallel verlaufenden Spuren ist sehr feinkörnig, der zweite grobkörniger. Es könnte wohl Hardeberga-Sandstein sein." Falls die Steine aber doch jüngeren Datums sind, kommt Dr. Bertling wieder zum Zuge...
 

Fotos: C. Friis

Das abgerollte, ungewöhnliche Gestein wurde von einem Geologen, der u.a. über die Entstehung des Feuersteins seine Doktorarbeit geschrieben hat, eindeutig als Feuerstein, wahrscheinlich aus dem Danium, bestimmt. Es ist etwa faustgroß und wurde von Claus Friis in Mecklenburg-Vorpommern, Schönhagen, an der Ostsee gefunden. Scherzhaft meinte der Geologe, vielleicht sei da ja eine "Mini-Katze" über die gallertartige Masse des "frühen" Feuersteins gelaufen... Wer hat eine bessere Idee?  Dazu Dr. M. Bertling: Die Abdrücke im Feuerstein halte ich wegen ihrer Asymetrie und Netzartigkeit für Kieselschwämme."                                                                               

 
Foto: C. Stumm

Das Fossil ist ca. 3 cm lang und ca. 1,5 cm breit. Das Stück wurde von Carsten Stumm im Kieselschiefer von Dainrode/Hessen (Unter-Karbon, Kulm-Fazies) gefunden. Eine Idee dazu gibt es bisher nicht.  Was könnte es sein?

Dr. G. Schweigert vom Staatlichen Naturkundemuseum Stuttgart, Chefredakteur von "Fossilien", schreibt dazu:

"Problematika reizen mich immer am meisten. Das letzte davon ist ganz eindeutig der Querschnitt durch einen sehr engnabeligen Goniatiten."