Zur Diskussion stehen die Abbildungen von zwei (wahrscheinlich unterkambrischen) Geschieben mit Lebensspuren aus der Homepage von Uwe-M Troppenz. Die Fundstücke stammen von Herrn Peppmüller. Fundort: Hedehusum / Föhr.

 

Was sehe ich?

Auf dem linken Bild ist ein abgerolltes (?quarzitisches) Geschiebe, auf dessen Oberfläche sich Gang-Konturen von Spreiten im Querschnitt befinden. Die Spreite im Vordergrund zeigt den oberen erodierten Rand einer gerieften, durchgehend dunkel imprägnierten Spreiten-Wand. Die Riefen sind sowohl unterschiedlich in ihrer Breite als auch in ihrem Abstand zu einander. Dieses Phänomen kommt noch viel deutlicher auf dem rechten Bild zur Geltung.

Die Konturen der geradlinig verlaufenden Spreiten werden durch zwei gegenüberliegende Wände markiert. Die eingefärbte Imprägnierung der Wände ist umlaufend vorhanden. Die Konturen der Wände haben in sich ein unregelmäßiges Lining entsprechend der unregelmäßigen Riefen ihrer Wände. Zwischen den Wänden befindet sich normalerweise eine Sediment-Füllung, die aber leichter zu erodieren scheint als das umgebende Sediment.

Auch das in sich geschlossene, drei-lappige, inselartig angelegte Konturen-Gebilde im Hintergrund des linken Stücks, ist als (Ansatz einer) Spreite zu werten. Somit kann man feststellen, dass die vier Spreiten des linken Stücks ungerichtet zu einander verlaufen.

Auf dem rechten Bild ist eine volle Sicht auf eine Spreiten- Wand gewährleistet. Es scheint so, als wäre hier das untere natürliche Ende der Spreite erreicht. Der obere Abschluss ist jedoch als ein erodierter anzusehen. Somit ist kein Anhaltspunkt zur Einschätzung der wahren Spreiten- Höhe gegeben.

 

Wie interpretiere ich?

Die durchgehend geriefte und imprägnierte Wandung der Spreite (rechtes Bild) lässt eine fortschreitendes, seitlich gerichtetes Gleiten eines wurmartigen Erzeugers im Sediment vermuten. Sein Vermögen, sich peristaltisch zu bewegen, muss darin bestanden haben, dass er dieses sowohl für die vertikale als auch horizontale, also seitliche Bewegung einsetzen konnte. Die Gestalt der oberen Bereiche der Spreite ist an diesen Stücken nicht nachweisbar. Die vertikalen Gänge, so könnte man vermuten, legte der wurmartige Erzeuger so an, dass sie bis in die reicheren Nahrungsgefilde an der Sediment-Wasser-Grenze führten. Vorstellbar wäre, dass die Breite der Gang-Riefen nach oben hin kleiner und regelmäßiger ausfällt. Zudem ist es möglich, dass der gesamte obere Spreiten- Abschluss sich gegenüber dem umgebenden Sediment durch eine dunklere, imprägnierte Sediment-Zone abhebt.(So etwas kennt man von Syringomorpha.) Dickere Riefen könnten den tieferen Zonen vorbehalten sein, quasi als Verankerung des sich nach oben streckenden Wurmes. Die seitlich fortschreitende Erweiterung der Spreite erfolgt im Zustand einer Streckung bei ständiger Verschleimung und damit Imprägnierung des Sediments. So ist zunächst der Widerstand beim Verdrängen des Sedimentes am geringsten. Aus dieser neuen Vertikal-Stellung heraus erfolgte dann anschließend die peristaltische Verdickung des Ganges. So gesehen, wäre auch die unregelmäßige Riefung des hier vorhandenen Spreiten-Basis-Teils erklärbar.

Die auffallend geschlossene Imprägnierung einer vertikal gerichteten Spreite lässt vermuten, dass dieses Taxon sich ähnlich wie Syringomorpha ernährt hat – also ein Nahrungskonkurrent war. Es ist auch möglich, dass er so wie Syringomorpha durch einen Ausstieg aus dem Substrat und durch erneutes Abteufen sich das nächste Nahrungs-Areal erschloss. Ansonsten bestehen kaum Parallelen zu Syringomorpha. Man denke nur daran, dass bei Syringomorpha in der Regel jeder Spreiten-Gang in gleicher Dimension und isoliert voneinander angelegt wird. Von der Regel abweichend gibt es agglutinierte S-Spreiten, also mit Gängen dicht auf dicht, die durchgehende Wand-Imprägnierungen aufweisen, deren „Riefung“ jedoch gleichmäßig ausfällt.

Hier scheint es sich wirklich um ein anderes Taxon zu handeln. Die hier erfolgte Beschreibung beruht auf der hypothetischen Rekonstruktion einer vollständigen Spreite. Im Hinblick auf die Seltenheit dieses Spreiten-Taxons soll diese Diskussion die Sinne schärfen für eventuelle weitere Funde, die wiederum unvollständig sein könnten, sich aber als Ergänzung des hier diskutierten Fundes anbieten.

Dezember 2016, Georg Engelhardt, Potsdam